Beispiel: Reibungsbehaftetes Pendel im Schwerefeld
Problemstellung
Wir betrachten die Bewegung eines einfachen Pendels wie in der Abbildung dargestellt: Eine Masse m ist über einen masselosen Stab der Länge l an einer Welle befestigt, deren Winkellage wir mit φ(t) bezeichnen. Die Erdbeschleunigung g bewirkt ein rückstellendes Drehmoment MG(t). In den Lagern wirkt zudem das Reibmoment MR(t)=kR⋅ω(t), worin ω(t) die Winkelgeschwindigkeit ist. Durch einen Motor wird außerdem ein Antriebsmoment MA(t) auf die Welle aufgebracht.
Unser Ziel ist die Beschreibung des Verlauf der Winkellage y(t)=φ(t) in Abhängigkeit des Antriebsmoments u(t)=MA(t).
Modellgleichungen
Der Drallsatz besagt, dass die Winkelbeschleunigung ω˙(t) proportional zur Summe aller einwirkenden Drehmomente ist:
J⋅ω˙(t)=i∑Mi(t)=−MG(t)−MR(t)+MA(t)
Das Trägheitsmoment der Punktmasse beträgt
J=ml2
Das Drehmoment infolge der Gravitation ergibt sich als Produkt von Trägheitskraft FG=m⋅g und Hebelarm l⋅sinφ(t):
MG(t)=mgl⋅sinφ(t)
Für das Reibmoment MR(t) haben wir bereits eine lineare Abhängigkeit von der Winkelgeschwindigkeit ω(t) angenommen. Das Antriebsmoment MA(t) betrachten ist die Eingangsgröße des Systems.
Setzen wir die Gleichungen ineinander ein, erhalten wir die Bewegungsgleichung des Pendels:
ω˙(t)=−lg⋅sinφ(t)−ml2kR⋅ω(t)+ml21⋅MA(t)(1)
Außerdem wissen wir: Die Winkelgeschwindigkeit ω ist die Ableitung des Winkels φ:
ω(t)=φ˙(t)(2)
Modellierung als explizite DGL höherer Ordnung
Wollen wir das Übertragungsverhalten des Systems "Pendel" durch eine gewöhnliche Differentialgleichung beschreiben, müssen wir (2) in (1) einsetzen:
φ¨(t)=−lg⋅sinφ(t)−ml2kR⋅φ˙(t)+ml21⋅MA(t).
Dabei fällt auf, dass nun eine zweite Ableitung auftaucht. Taufen wir die Ein- und Ausgangsgröße in u(t) bzw. y(t) um, erhalten wir schließlich:
y¨(t)+ml2kR⋅y˙(t)+lg⋅siny(t)=ml21⋅u(t).
Modellierung im Zustandsraum
Anstelle einer Differentialgleichung zweiter Ordnung wollen wir nun ein Zustandsraummodell herleiten, das aus zwei Differentialgleichungen erster Ordnung besteht.
Nun können wir Gl. (3) umformulieren, indem wir die Variablen φ(t) und ω(t) durch den jeweiligen Eintrag von x(t) ausdrücken und die Eingangsgröße MA(t) durch u(t):